Apotheken

Apotheker sehen sich bei der freien Ausübung ihres Berufes in einem Spannungsfeld zwischen einer Vielzahl von aufsichtsrechtlichen Auflagen einerseits und wachsendem wirtschaftlichen Druck durch Internationalisierung und Digitalisierung des Marktes andererseits. Die Ausgestaltung ihrer eigentlichen pharmazeutischen Kernkompetenz darf darunter aber nicht leiden.

 

Apothekenaufsicht

 

Die Betriebserlaubnis für eine Voll- oder Filialapotheke ist an strenge bauliche Mindestanforderungen geknüpft. Sollen mehrere Filialapotheken betrieben werden, so kann hierfür nur eine Gesamterlaubnis erteilt werden; fehlt es also an baulichen Voraussetzungen in einer Betriebsstätte, so ist die Berufsausübung an allen Filialen in Gefahr. Soll eine Apotheke also im Bestandsaltbau betrieben werden, so kann der Nachweis geeigneter Labor-, Lager- und gegebenenfalls Arbeitsräume zum Aufbereiten patientenindividueller Arzneimittelverpackungen zur Herausforderung werden. Dies ist insbesondere bei der Übernahme bestehender Apotheken zu beachten, denn nicht notwendigerweise kann sich der Übernehmer auf vollständigen Bestandsschutz verlassen.

 

Zudem werden - sowohl aufsichtsrechtlich als auch in Haftungsfragen – die Anforderungen an die Qualifikation des angestellten Personals immer höher. So führen die in letzter Zeit stärker in den Fokus gerückten Beratungspflichten der Apotheker gegenüber ihren Kunden zu haftungsrelevanten Fehlern, wenn kaufmännische Mitarbeiter oder gar Praktikanten allein die Kundenberatung durchführen oder den Botendienst mit bestellten Arzneimitteln übernehmen, ohne dass zuvor eine qualifizierte Beratung des Kunden stattgefunden hat.

 

Ein ohne Digitalisierung mittlerweile kaum noch zu überblickendes Gebiet sind schließlich die Fragen der Vergütung des Apothekers unter Geltung der Arzneimittelpreisverordnung. Die Preisgestaltung von Arzneimitteln mit allen Zu- und Abschlägen unter Beachtung von Rabattmöglichkeiten einerseits und strikten Rabattgrenzen andererseits ist eine erhebliche rechnerische Herausforderung.

 

Kommt es zum Nachweis von Verstößen, so drohen neben der Prüfung der Betriebserlaubnis vor allen Dingen empfindliche Retaxierungen. Die entsprechenden Verfahren sind aufwändig, anspruchsvoll und sollten in jedem Fall anwaltlich begleitet sein.

 

 

 Wirtschaftlicher Rahmen

 

Mit seinem Urteil vom 19.10.2016, wonach die deutsche AMPreisVO auf EU-Versandapotheken keine Anwendung finden soll, hat der Europäische Gerichtshof den wirtschaftlichen Druck auf niedergelassene Apotheken enorm erhöht. Eine bundesgesetzliche Neuregelung, etwa durch ein Verbot von Versandhandel mit Rx-AM, gestaltet sich nicht nur politisch, sondern auch rechtlich schwierig, da damit zugleich eine vom EuGH monierte, neue Einfuhrbeschränkung geschaffen würde.

 

Die Apotheken müssen also mit wachsendem Konkurrenzdruck leben und sehen sich zugleich erheblichen Schranken bei der Bewerbung ihres eigenen Angebots ausgesetzt. Das Gesetz über die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens (HWG) benennt eine Vielzahl von Werbemaßnahmen, die für den Gewerbetreibenden verlockend, dem Apotheker jedoch verboten sind. Die meisten gewerblich üblichen Maßnahmen wie Rabatte, Draufgaben, Zeugnisse zufriedener Kunden etc. sind dem Apotheker ganz oder weitgehend verwehrt. Auch die Werbung bei Ärzten, ebenso wie die Werbung für Ärzte ist nicht gestattet. Fehlerhaftes Verhalten führt für den Apotheker wiederum zum Risiko der Retaxierung oder sogar des Verlustes der Betriebserlaubnis. Höchste juristische Aufmerksamkeit ist daher geboten beim Ausschöpfen des gesetzlich vorgelegten Rahmens für Marketingbemühungen.

 

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